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Wir bewegen vieles und Bewegung ist Bedingung für ein gelungenes Leben, für eine gesunde Kultur und eine sich individuell artikulierende Kreativität. Unsere Kultur ist nicht nur eine sich bewegende, sie ist vielmehr eine stets sich selbst übertreffende und überholende, eine auf Wachstum angelegte Entwicklung von Neuem. Das ist offiziell, das bringt das Gute und das Schöne, das jedoch zumeist ohne das Wahre auskommen muss, heute.

Wir bewegen vieles, doch um dies so tun zu können wie wir sollen, dürfen wir uns selbst nicht bewegen lassen. Wir dürfen da nicht stille stehn, denn stehn wir ruhig da, wird eine Bewegung ja uns selbst erfassen und wir können nicht mehr Ursache sein. Wir fänden uns wieder in der Wirkung, die uns an einen Ort zu führen vermag, an dem wir aus freien Stücken gar nicht sein wollen, für den wir keinen Plan haben, gegen den wir uns zu wehren haben. Allerdings: Sich beeindrucken lassen und sich wehrlos machen, für den Moment nicht wissen was zu tun ist: dies ist die Lücke in der Welt, die Leerstelle, ohne die das Wahre den Raum für seine Entfaltung nicht findet, gestern wie heute.

Wir wissen vieles, wir wissen vielleicht sogar alles nötige. Irgendjemand sagte einmal, wir würden wohl dann auch endlich glauben, was wir wissen, wenn einmal der Frühling ausfiele, oder ein Sonnenaufgang, als Wink für eine Erfahrung, die wir sonst vielleicht als dauernde noch machen müssten. Diesen Wink werden wir nicht erhalten und wohl verstünden wir ihn falsch. Wir könnten uns aber an eine Baustelle setzen oder an die Autobahn und einen Tag lang zuhören, wie es dort donnert. Wir könnten einen Tag lang in einem Bahnhof den Durchsagen einer rechnergenerierten Stimme zuhören, um einen sprechenden Menschen zu vermissen. Wir könnten unser iPhone wegschmeißen.
Wir würden horchend erfahren und das Wahre die Lücke finden lassen. Wir würden uns später wieder bewegen, ahnend, wohin es uns zum Guten und Schönen führen mag, vielleicht morgen.

Stefan Lausch, Juni 2012 
Text für die Broschüre „Gestaltung in Bewegung“, anlässlich der Ausstellung „Sichtwerk“ des Fachbereich Gestaltung im Sanaa-Gebäude, Zollverein Essen


Stefan Lausch