Malerei leer
Zeichnung leer
Texte leer
Biografie leer
leer
Kontakt leer
leer
Impressum leer
leer leer
leer leer leer leer leer leer leer leer leer
Dr. Susanne Rennert
Stefan Lausch - Köpfe

Mit der Serie der Köpfe, an der Stefan Lausch seit etwa zwei Jahren arbeitet, rückt der Künstler sich selbst frontal ins Zentrum seiner Bilder. Hier spielt er sein Motiv, das Selbstportrait, in drei verschiedenen Formaten, in immer neuen Varianten obsessiv durch.
Ausgangspunkt der Serien ist der Kopf des Künstlers, der mit Hilfe einer Schablone auf die grundierte Leinwand aufgetragen wird. Dann übernimmt Lausch seine, bereits in früheren Arbeiten entwickelte Strategie, komplexe Bildsysteme aus einem Repertoire möglichst einfacher, schematischer Formen zu entwickeln. So wird - in diesem Fall - das Portrait zum Gefäß, das immer wieder neu mit Inhalt gefüllt wird.
Der Kopf ist en face auf das Gegenüber gerichtet. Die fahle Gesichtsfarbe, von der sich dunkle Augenhöhlen, Nase und Mund nur diffus abheben, verleihen dem Gesicht entpersönlichte, maskenartige Züge. Die Augen sind entweder geschlossen (in den meisten Fällen) oder unter schweren Lidern leicht geöffnet. So blickt der Dargestellte- sofern er sich nicht im Netz von Farbe und Ornamentik auflöst- nicht aus aus dem Bild heraus, sondern hört, konzentriert, wie in Trance, nach innen. Der entrückte Gesichtsausdruck macht deutlich, daß hier Ebenen jenseits des Bewußten, Diesseitigen angesprochen werden. Dies und die hieratische, an Antikenportraits erinnernde Frontalität der Figur verleihen dem Selbstbildnis etwas von der Aura einer Ikone.
Diese Ikonen bindet Lausch in komplexe dynamische Systeme aus Farbe, Form, Muster und Ornament ein. Betrachtet man die Bilder in der Serie, fällt auf, daß hier ganz unterschiedliche stilistische Mittel zur Anwendung kommen: Hier die altmeisterliche Präzision, dort der expressive Pinselduktus, hier das Flüchtige, Verwischte, dort der harte Schnitt. So wirken die Silhouetten einiger Köpfe wie ausgeschnitten und heben sich scharf vom Hintergrund ab (vgl. Fresken von Massacio, ital. Freskenmalerei). Auf anderen Bildern sind Vorder- und Hintergrund virtuos miteinander verwoben. Die effektvolle Facettierung der Bildoberfläche resultiert z.T. aus dem Abkleben von Bildpartien mit Klebestreifen. Hier stößt Lausch an die Grenzen der Malerei und erreicht damit viel subtilere und delikatere Formen der „Übermalung“ als z.B. Arnulf Rainer. (Daß es Lausch auch immer um das Spiel mit der räumlichen Illusion geht- um den Illusionscharakter der Malerei überhaupt- verdeutlichen z.B. auch die Luftkammerbilder, die banale Luftmatratzen in klassischer Trompe l´oeil Malerei zeigen.)
Lauschs Bilder sind tricky: So wie sich Bildebenen überlagern, Figur und Grund in immer neuen Konstellationen mischen, überlagern sich die kunst- und kulturgeschichtlichen Konnotaionen, mit denen hier gespielt wird. Indem er unverblümt auf Zeichen, Muster, Ornamente unterschiedlicher Kulturen und Ethnien zurückgreift, vereint er im einzelnen Bild, auch in der Serie, Gegensätze, stellt Kontakte her, baut Hierarchien ab. Auf Reisen (etwa durch Syrien und Ägypten), im banalen Alltag, in der Betrachtung von Kunst findet Stefan Lausch Anregungen für seine Bilder. Er verarbeitet arabische Teppich- und Fliesenornamente, Op-Art-Muster, Körperzeichnungen, Tatoos etc.
Interessant ist, wie solche tradierten Muster dann in eine neue, zeitgenössische Ästhetik überführt werden, die viele seiner Bilder sehr subtil zum „Schwingen“ bringt. Music-Clips, psychedelische, im Traum entstandene Bilder, kommen dem Betrachter hier in Erinnerung.
Stefan Lausch bedient sich also des immensen Arsenals von Bildern und Informationen, das uns die heutige vernetzte Gesellschaft mit ihrem Zugriff auf ganz unterschiedliche Quellen bietet. (Auf etlichen Werken scheint sich der Kopf in Netzstrukturen aufzulösen!) Indem hier keine spezifische Ideologie repräsentiert wird, werden die Bilder zu Repräsentanten ihrer Generation. Indem der Künstler sich selbst in ganz unterschiedliche Kontexte projiziert, bietet er auch dem Betrachter Projektionsflächen. So ist seine Malerei Rollenspiel und Selbstdarstellung zugleich.
Kehren wir zum Ausgangspunkt der Überlegungen zurück: Lauschs Selbstportrait trägt ikonenhafte Züge: Vor dem Hintergrund heutiger Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung, mit der auch das menschliche Abbild beliebig modifiziert und manipuliert werden kann, (vgl. die gespiegelten Portraits von Rosemarie Trockel) setzt Stefan Lausch auf Einzigartigkeit statt multipler Persönlichkeit, auf Vielschichtigkeit statt geschönter, eindimensionaler Oberfläche (vgl zeitgenössische Fotos im close up, Ruff etc.). So gibt er mit den Köpfen dem Menschen etwas von seiner verlorenen Aura zurück.© Dr. Susanne Rennert, 2000


Stefan Lausch